Weg mit den roten Streifen

Bei den Reichelsheimer Feuerwehren steht ein Wechsel an.
Der Stadtbrandinspektor sein Stellvertreter erinnern sich an den behutsamen Umgang mit
Neulingen, Brandstifter und die Mängelliste für die sechs Gerätehäuser.


Eine Ära geht zu Ende: Vize-Stadtbrandinspektor Bernd Philippi (l.) hört nach 25 Jahren an der Feuerwehrspitze in Reichelsheim auf, Stadtbrandinspektor Michael Paulencu tritt nach zehn Jahren im Ehrenamt nicht für eine weitere Amtszeit an. (Foto: kai)

Ihre Helme sind mit Dutzenden schwarzen Strichen übersät. Der Lederschutz für den Nacken ist abgewetzt.
Je ein roter aufgeklebter Ring umspannt den Kopfschutz. Feuerwehrleute wissen, was das bedeutet: Es ist das Zeichen für den Stadtbrandinspektor und seinen Vertreter. »Die roten Ringe kommen weg«, sagen Michael Paulencu und Bernd Philippi. Paulencu (49) amtiert seit zehn Jahren. Philippi (57) hat das Amt des Vize-Stadtbrandinspektors bereits 1993 übernommen. »15 Jahre an der Seite von Heinz-Willi Lindt und zehn Jahre mit Michael Paulencu.« Nun ist Schluss. »Wir bleiben aber aktiv«, versprechen beide.

Feuerwehr ist für sie mehr als ein Hobby. Es ist eine Lebensaufgabe. Philippi ist seit 40 Jahren aktiv, Paulencu seit drei Jahrzehnten. »Es hat sich viel geändert.« Eine Flut von Vorschriften regelt den Feuerwehralltag. »Die Auflagen steigen, die Büroarbeiten werden mehr, das nimmt den Spaß«, sagt Landwirtschaftsmeister Paulencu. Das Ehrenamt könne einen schon auszehren.

»Die Rund-um-die-Uhr-Verantwortung abgeben zu können, fühlt sich gut an«

150 Feuerwehrleute sind in Reichelsheim aktiv. Für sie sind die beiden in Einsätzen und bei Übungen verantwortlich.
»Egal was kommt und geschehen ist, der Blick nach vorn ist wichtig«, sagt Paulencu. Es bringe nichts, an Ärger festzuhalten. Es habe unschöne Erlebnisse gegeben, die seien geklärt und aufgearbeitet. Da sei der Ärger mit dem Bürgermeister gewesen, der seine Kompetenzen überschritten habe. Oder die Brandserie in Weckesheim. Damals gerieten zwei junge Feuerwehrleute ins Visier der Ermittler. Einer von ihnen wurde als Brandstifter verurteilt, der andere freigesprochen. Er ist wieder als Feuerwehrmann aktiv. An die Grenzen des Machbaren gerieten die Helfer beim Unwetter Ende Mai vor zehn Jahren, als es galt, 270 Einsatzstellen abzuarbeiten.

»Die Rund-um-die-Uhr-Verantwortung abgeben zu können, fühlt sich gut an«, sagt Elektrotechniker Philippi. Bei jedem Einsatz bekommen die beiden Informationen, müssen entscheiden, ob sie gebraucht werden oder ob die Wehrführer und Gruppenführer in den Stadtteilen allein zurechtkommen. »Gerade dieser Tage, ich war fertig zum Ausgehen ins Theater, ging der Piepser auf, eine Türöffnung in der Nachbarschaft«, erzählt Philippi. Natürlich sei er sofort losgerannt. Die Polizei ging von einer verstorbenen Person in der Wohnung aus. Philippi sah, dass sich einer der jüngsten Einsatzkräfte das Werkzeug schnappte. »Da bin ich eingeschritten, habe einen anderen nach vorn geschickt. Der Nachwuchs muss nicht unnötig in unangenehme Situationen gebracht werden.«

Reichelsheimer Wehr bei Ausbildung und Technik gut aufgestellt

Was die Ausbildung und die Feuerwehrtechnik angeht, seien die sechs Stadtteilwehren sehr gut aufgestellt. »Schade ist, dass der Prozess zur Gestaltung der Feuerwehrzukunft noch nicht weiter vorangekommen ist«, sagen Paulencu und Philippi. Das stehe auf der Sollseite wie das Entwickeln von einheitlichen Ausbildungsplänen. »Die Ideen sind da, aber die Zeit fehlt, weil das Pflichtprogramm immer mehr wird«, bedauert Paulencu. Beide sind zuversichtlich, dass der Generationswechsel an der Spitze der Reichelsheimer Wehren gut gelingen wird. Es haben sich zwei junge Kameraden gefunden, die die Positionen übernehmen wollen. »Das Alter ist nebensächlich, auch junge Menschen können Verantwortung übernehmen«, weiß Philippi, der selbst als 32-Jähriger den Helm mit dem roten Ring aufsetzte.

Die Versammlung der Einsatzabteilungen der Reichelsheimer Feuerwehren mit Neuwahlen des Stadtbrandinspektors und seines Stellvertreters ist am Freitag, 16. Februar, um 20 Uhr im Bürgerhaus Weckesheim.

Inse Dauernheim (Wetterauer Zeitung)



Wie kann man die Feuerwehr bei Unwetter erreichen?

In den letzten Wochen wurde die Bevölkerung von starken Regenfällen heimgesucht.
Es kann in diesem Fall aufgrund der zahlreichen Notrufen dazu kommen,
dass die Rufnummer 112 überlastet ist.
Um den Mitbürgern in einer Notlage zu helfen, wird bei einem tatsächlichen Unwetter 
Sirenenalarm im ganzen Stadtgebiet
ausgelöst und die Feuerwehrhäuser besetzt. Unter der
Telefonnummer 06035 / 4931
können sie das Feuerwehrhaus Beienheim erreichen
oder sie wenden sich direkt an die Technische Einsatzleitung Unwetter
im Feuerwehrhaus Weckesheim
Telefonnummer 06035 / 917530.
In der Regel sind die Feuerwehrhäuser jedoch nicht besetzt
und der Notruf ist nur über die Nummer 112 erreichbar.

Magistrat der Stadt Reichelsheim
Brand- u. Katastrophenschutz